Paartherapie ist ein seltsamer Begriff. Das Wort Therapie kommt aus dem altgriechischen und bedeutet Dienst, Pflege; Heilung. Zunächst stellt der Therapeut eine Diagnose. Wie sollte die im Falle eines Paares denn lauten? Verliebt? Verlobt? Verheiratet? Im Anschluss an die Diagnose stelle der Therapeut einen Behandlungsplan auf, mit dem Ziel, die Krankheiten und Verletzungen positiv zu beeinflussen. Was würde das im Falle einer Partnerschaft denn bedeuten? Und ist Partnerschaft eigentlich ansteckend? Kann man sich dagegen impfen lassen? Kann sich Partnerschaft chronifizieren? Kurzum: Der Begriff Paartherapie ist zwar weit verbreitet, aber unsinnig.

 

 

Paarberatung statt Paartherapie: Eine Chance!

Paarberatung geht davon aus, dass es völlig normal ist, dass ein Paar nach einer Weile miteinander in Konflikte gerät, die es alleine nicht mehr wirklich gut lösen kann. Weil die meisten Menschen keine Vorbilder dafür hatten, wie Partnerschaft positiv und zugewandt gelebt werden kann. Dazu kommt, dass wir in einer Kultur leben, in der die Menschen in einem epidemischen Ausmaß mit Entwicklungs- und Schocktraumata zu kämpfen haben. Diese Verletzungen importieren sie in ihre engste Beziehung und merken sehr schnell, dass eine intime Liebesbeziehung wie ein Vergrößerungsglas wirkt. Dazu kommt, dass der Partner genau das gleiche tut. So finden sich zwei verletzte Kinderseelen in den Körpern von Erwachsenen und wundern sich darüber, dass es so schwierig sein kann, wo doch alles so gut begonnen hat.

Paartherapie klingt nach Krankheit und Defiziten, Paarberatung soll den Blick auf die Chancen und Ressourcen richten.

 

Paartherapie-02Entspannte Kommunikation in einer angespannten Situation muss gelernt und geübt werden

Im Zusammensein eines Paares beginnt irgendwann die Phase, in der die Partner gegenseitig ihre alten Verletzungen berühren und starke Aktivierungen auslösen. Meistens sagen oder tun sie dann etwas, wodurch sich der andere verletzt fühlt. Diese Verletzung wird häufig als Grenzverletzung oder als Verlassenheit wahrgenommen. Der verletzte Partner hätte dann gerne, dass der andere damit aufhört. Was einfach klingt, funktioniert in der Praxis in der Regel nicht. Durch diese Paardynamik sind beide Partner dann aktiviert. Das System stellt auf Kampf-Flucht-Modus um und ein entspanntes Gespräch über die Situation kann nicht mehr stattfinden. An dieser Stelle braucht es etwas Neues, um die Endlosschleife aus Streiten, Schweigen oder Brüllen zu beenden.

 

PaartherapiePaarberatung als Trainingsraum

Wenn die Aktivierungen einsetzen und man seinen Partner am liebsten an die Wand klatschen würde, ist das eine gute Gelegenheit, zu forschen, woher dieser ohnmächtige Zorn eigentlich kommt. Denn ohne den Ursprung zu kennen (Mama und Papa sind hier die Hauptverdächtigen) und sich diesen bewusst zu machen, wird ein Mensch immer weiter seine Kindheitserfahrungen auf seinen Partner projizieren. An dieser Situation sind beide Partner beteiligt. Ich höre immer wieder von Paaren, dass eigentlich der andere das Problem ist, mal in Therapie muss, weil er seine Geschichte nicht aufgearbeitet hat. Das ist Blödsinn! Zwei Partner passen in dem Moment der Partnerschaft immer gut zusammen. Es fühlt sich nur leider meist anders an.

Ziel einer Paarberatung ist es, die Situation so weit zu deaktivieren, dass ein Gespräch möglich wird über das, was unbesprechbar geworden ist. Ein gutes und entspanntes Gespräch findet dann statt, wenn zwischen Sprechen und Zuhören kleine Pausen möglich sind. Ein anderes Kriterium ist das Tempo. Wenn sich das Gespräch beschleunigt und am Ende einer den anderen unterbricht, ist das ein Zeichen von großer Aktivierung. Dann wollen die Beteiligten meist nur noch Recht haben und ihre Sätze auf den anderen abfeuern. Ein entspanntes Gespräch hat Wellen von Stimmungen und ist mal ernst, mal lustig, aber immer freundlich und empathisch.

 

PaartherapieEs braucht die Sehnsucht, die Zeit und den Raum für eine gute Partnerschaft

It needs two to tango! Wenn einer gerne etwas anderes hätte als das, was die Eltern und die Großeltern vorgemacht haben, geht das nicht ohne den anderen. Bekommt ein Mann oder eine Frau eine Absage für das Bedürfnis auf Veränderung, kann er oder sie eigentlich nur noch gehen oder aber die Situation so akzeptieren, wie sie ist.

Wenn beide eine Veränderung wollen, ist das eine günstige Ausgangssituation. Der beste Zeitpunkt ist hierfür, wenn sich die Konflikte anbahnen und klar wird, worum es geht, aber die Situation noch nicht eskaliert ist. Die Regel ist, dass Paare in der größten Not Unterstützung suchen, wenn die Ressourcen weitgehend aufgebraucht und beide frustriert, erschöpft und ratlos sind. Aber es ist nie zu spät, außer es ist zu spät.

Ist ein Paar in so einer Situation, ist es vielleicht gut zu wissen: Die anderen machen es genauso.

In der Paarberatung gibt es viel zu gewinnen und wenig zu verlieren, auf jeden Fall schafft sie Klarheit.

Wenn Sie mehr über meine Arbeit mit Paaren und ihren Themen erfahren wollen, ist die Paarberatung vielleicht ein interessantes Format für Sie. Es gibt immer viele Gründe etwas nicht zu tun und einen, etwas zu wagen: Weil man es will!

Falls Sie mögen, begleite ich Sie gerne ein Stück Ihres Weges. Hier können Sie einen Termin vereinbaren.

Weitere Informationen über mich und meine Arbeit finden Sie auf meiner Homepage.