Wenn es beim Sex nicht so richtig läuft, suchen Männer und Frauen oft verzweifelt nach der Antwort auf die Frage: Warum? Viele unangenehme Erfahrungen, die du in deinem Sexualleben machst, können als Traumasymptome identifiziert werden. Das bedeutet nicht, dass du schwere sexualisierte Gewalt erfahren haben musst. Ganz normale Entwicklungstraumata sind völlig ausreichend, um ein eingeschränktes Körpergefühl zu haben oder es schwierig zu finden, mit einem anderen Menschen wirklich in Kontakt zu kommen. Und Kontakt ist die Voraussetzung für eine gelingende Sexualität.

In diesem Artikel beschreibe ich die 3 Traumasymptome, die mir in meiner täglichen Praxis am häufigsten begegnen.

Traumasymptome beim Sex

Erst kam das Trauma, dann der Sex

Trauma behindert die freie Schwingungsfähigkeit deines Nervensystems. Und ein flexibles Nervensystem ist die Voraussetzung dafür, dass du in die sexuelle Erregung kommst und diese auch halten und genießen kannst. Und diese Traumata sind in der Regel zu einem früheren Zeitpunkt entstanden, als wir unsere Sexualität angefangen haben zu entwickeln. Es hat also oft nichts mit Sex zu tun, wenn der Sex nicht funktioniert, sondern mit frühen Erfahrungen von alleingelassensein, abgewertet worden zu sein, nicht wirklich gewollt zu sein, überforderte Eltern gehabt zu haben oder in einem aggressiven und lieblosen Umfeld aufgewachsen zu sein.

Die Endlosschleife unserer frühen Prägungen

Wir leben eben in Bezug auf Sexualität und Partnerschaft in einer relativ gestörten Kultur. Sorry, dass ich an dieser Stelle keine bessere Nachricht für dich habe. Das gilt in besonderem Maße für Sexualität und Partnerschaft. Aber auch dafür, wie Eltern ihre Beziehung und den Kontakt zu ihren Kindern gestalten. Denn hier liegt die Ursache für das Traumabonding, in dem wir uns alle als Erwachsene wiederfinden, wenn wir Beziehungen eingehen.

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1.     Dissoziation ist die Kunst der Abwesenheit

Das häufigste Symptom, über das mir Männer und Frauen berichten ist die Dissoziation beim Sex. Das bedeutet, dass diese Menschen sich selbst beim Sex nicht gut spüren. Sie nehmen ihren Körper ganz oder teilweise nicht wahr und erleben dadurch nur wenig. Sex ist dann eher langweilig oder er fühlt sich immer irgendwie falsch an. Und dann macht das Paar etwas anders. Und es fühlt sich wieder falsch an. Weil der Kontakt zu sich selbst und zum anderen nicht ausreicht, um wirklich zu spüren, was jetzt Spaß machen würde.

2.     Wenn alles viel zu viel oder viel zu wenig ist

Für manche ist Sex auch einfach zu viel. Zu viel Nähe, zu viel Körper, zu viel Energie. Und das geschädigte Nervensystem hält das nicht aus. Dann fühlt sich das so an, als ob mehrere Radiosender auf einmal eingestellt sind. Und alle sind viel zu laut. Und dann stürzt dieser Mensch innerlich ab und spürt gar nichts mehr. Dann herrscht Stille. Totenstille. Gleiche Medaille, andere Seite. Es ist immer zu viel oder zu wenig. Aber nie richtig.

3.     Wenn sich wollen und können im Wege stehen

Viele Paare möchten eigentlich gerne Sex haben und finden auf wundersame Weise Wege, dass Sex nicht stattfindet. Verabredungen werden abgesagt, einer ist oft müde, der andere hat Kopfschmerzen. Und was das Paar nicht versteht ist, dass hier ganz alte Muster am Wirken sind, die den Sex verhindern. Einmal müde, okay. Aber jeden Samstag?

Warum in meiner Partnerschaft andere Regeln gelten

Männer und Frauen können im Beruf, beim Sport und mit Freunden ganz genau sagen, was sie wollen und was nicht. Wozu sie bereit sind und wozu nicht. Wo ihre Grenzen liegen und worüber sie bereit sind zu verhandeln. Und plötzlich ist bei Sex mit dem Partner oder der Partnerin alles anders. Dieses Phänomen hängt unmittelbar mit den frühen Traumata zusammen. Wenn Kinder ihre Bedürfnisse nicht ausdrücken durften, wenn Sexualität in der Familie abgewertet wurde, wenn Manipulationen das kindliche Vertrauen verletzt haben, wie soll das dann in der Partnerschaft klappen, wenn mit der primären Bezugsperson all diese Erinnerungen aktiviert werden? Kindheitstraumata haben eine enorme Kraft, die man nicht unterschätzen sollte.

Wenn wir unsere Traumatisierungen verstehen lernen, können wir damit umgehen wir der Bauer mit dem Mist. Unter die Erdbeeren verteilt liefert er wunderbare Früchte. Wir müssen es nur anpacken!

Falls du einige dieser Traumasymptome aus deinem Leben kennst, findest du vielleicht die 5 Schnellstart-Empfehlungen zu Sex und Trauma hilfreich. Wenn du mehr über die Auswirkungen von Trauma auf deine Sexualität erfahren möchtest, ist meine Webinar-Trilogie Sex & Trauma vielleicht für dich interessant?