Sexualität und BeziehungDie Tage werden länger und wärmer. Die Menschen ziehen nach draußen. In die Natur und in die Cafés. Zum Joggen, Radeln oder einfach auf der Wiese liegen. Die Pflanzen werden wieder grün. Die Knospen gehen auf. Wunderschöne Blüten in allen Farben erfreuen unser Herz.

Auf dem Land ist der Nachwuchs der Tiere überall sichtbar. Lämmer und Kälber kuscheln sich an ihre Mütter und üben im Spiel das richtige Leben. Der Frühling ist die Jahreszeit, in der Sexualität wieder in den Vordergrund rückt.

Und der Mensch? Auch wenn es wegen zunehmender Degeneration manchmal kaum noch zu glauben ist: Der Mensch reagiert auf den Frühling genauso wie die Pflanzen und die Tiere. Vitale Energien werden durch den Jahreszeitenwechsel freigesetzt. Wir haben wieder mehr Energie, neue Ideen und Pläne. Und vor allem: Mehr Lust! Ja, genau. Auf Sex. Auf andere Unternehmungen häufig auch. Aber vor allem auf Sexualität.

 

Die vitale Kraft der Sexualität ist der Vulkan unter der fragilen Kruste der Zivilisation

Wenn ich mich in der Welt umschaue, sehe ich kleine grüne Triebe, die sich durch Asphaltdecken von Straßen kämpfen. Vulkanausbrüche vernichten binnen Sekunden den Lebensraum von Menschen an der Erdoberfläche. Erdbeben zerstören massive Gebäude binnen Sekunden. Ein paar Tropfen Wasser genügen zur Belebung einer scheinbar seit ewig schlummernden Wüstenblume.

Diese Naturgewalten können Angst machen oder faszinieren. Je nachdem, wo wir uns als Beobachter gerade befinden und was sich vor unseren Augen gerade abspielt. Und diese Naturgewalt lebt eben auch in uns. Vor allem als sexuelle Kraft. Auch wenn wir – manche mehr, manche weniger – versuchen, diese in Einklang mit unseren Werten zu bringen. Vor allem in punkto Moral.

Doch dieser Urkraft kann nichts und niemand etwas entgegensetzen. Die meisten von uns waren schon einmal in einer Situation, wo die Kraft der Sexualität so groß war, dass sie voller Leidenschaft Sex hatten. Ob das gerade gepasst hat oder nicht.

 

Versuch‘ mal, den Wind anzuketten

Was hat der Mensch nicht alles versucht, um die sexuellen Kräfte zu bändigen? Und was tut er heute immer noch? Die Religionen unterteilen Sexualität in gut und schlecht, wobei gut den kleinen und schlecht den großen Anteil bekommen hat. Und im Zweifel ist auch das Gute schlecht und wird nur zur Zeugung von Nachkommen gerade noch so toleriert. In manchen Teilen der Welt werden Mädchenkörper verstümmelt und dadurch am leben ihrer Lust gehindert. Für die Frauen beginnt damit ein nie endender schmerzhafter Albtraum. Keine Methode ist Menschen zu brutal, um ihresgleichen am leben ihrer Sexualität zu hindern. Um jeden Preis. Und die Männer? Welcher Mann kann und will mit einer Frau lustvoll lieben, die Schmerzen hat? Wie soll das denn gehen?

Die ideologischen Konstruktionen der modernen westlichen Welt sind heutzutage physisch weniger brutal als an anderen Orten und anders als zu anderen Zeiten in Europa. Und doch genauso idiotisch. Es gilt das hohe Ziel der Monogamie. Es prüfe, wer sich ewig bindet, aber ab da gilt dann: Augen zu und durch. Und es gilt ein gesellschaftlich akzeptierter Sexualkodex. Was nicht passt, wird passend gemacht.

Wie viele unterdrücken ihre Sexualität und leben nur einen Bruchteil ihrer Bedürfnisse? Wer lebt nicht alles eine Doppelmoral? Männer und Frauen belügen und betrügen sich und andere aus der Verzweiflung und der Not heraus, dass Werte, Ideologie und Normen nicht mit der Lebensrealität und den Bedürfnissen der Individuen zusammenpassen. Und diejenigen, die aus dieser normierten Falle aussteigen wollen und  in offenen Beziehungen oder polyamoren Netzwerken leben, merken auch sehr schnell: So einfach ist es nicht. Die Rückkehr zum Leben in der Horde kann nach einigen Jahrtausenden nicht einfach in einer Generation friktionsfrei vollzogen werden. Und nun?

 

Mit dem Wind segeln oder gegen den Wind kreuzen?

Um meine Integrität mir selbst gegenüber zu erhalten, braucht es eigentlich nur eins: Das wahrzunehmen, was ist. Und das kann sich ganz unterschiedlich anfühlen. Vielleicht kann ich nach einem Winter voller Unlust auf meinen Partner plötzlich gar nicht genug von ihm bekommen? Sexuell meine ich. Oder ich bleibe an allen blinkenden Wimpern hängen? Wirklich an allen. Oder gefährde den Straßenverkehr, weil ich meinen Blick nicht von den knackigen Hintern abwenden kann, die gefühlt zu tausenden die Welt bevölkern? Und mir das, was an den Hintern dranhängt, noch besser gefällt.

Wenn ich mit all dem in Kontakt bin, lebe ich im Vollkontakt mit meinen vitalen Energien. Dann bin ich lebendig. Mit dem, wie das so ist, als Mensch im Frühling.

 

Soll ich’s wirklich machen oder lass‘ ich’s lieber sein?

Dann stellt sich nur noch die Frage, wer das Zepter in der Hand behält. Die Lust oder ich. Wenn ich das Zepter in der Hand habe, kann ich entscheiden, was ich mit meiner Sexualität tue. Nehme ich meine Lust einfach wahr und erfreue mich meiner Lebendigkeit? Oder kanalisiere ich sie in eine Handlung und adressiere sie an meinen Partner? Vielleicht habe ich keinen Partner und lande mit jemandem im Bett, den ich erst wenige Stunden zuvor kennengelernt habe?

All das finde ich okay, solange ich es aus einer verantwortlichen und erwachsenen Position heraus tue. Erwachsen und verantwortlich bedeutet, dass ich die Konsequenzen meines Tuns im Bewusstsein habe und diese auch nach einer lustvollen Begegnung (oder auch nach eben keiner) noch gut tragen kann.

Wenn meine Lust das Zepter in der Hand hat und mich an der Nase herumführt, lande ich vielleicht mit jemandem im Bett, den ich am nächsten Tag auf der Arbeit wieder siezen muss. Oder der oder die von da an jeden Tag anruft und ich nicht weiß, wie ich das meinem Partner oder meiner Partnerin erklären soll. Manche fühlen sich auch als Opfer der Umstände, weil sie mit ihrer Sexualität alleine sind. Alle anderen haben dann aus deren Perspektive einen Höllenspaß. Nur sie nicht. Dabei haben sie selbst einfach nicht den Mumm, sich auf die Suche nach einem Spielkameraden für ihre Sexualität zu machen.

 

Ich liebe Dich – Aber was ist Liebe?

Dieser Frage bin ich in meinem Blogartikel nachgegangen und habe (hoffentlich) befriedigende Antworten gefunden. Nichtsdestotrotz sagen Menschen oft: Ich liebe Dich, wenn sie eigentlich meinen: Ich bin heiß auf Dich. Ich will Dich. Jetzt. Nur ist die pure Lust noch nicht so vollständig gesellschaftlich akzeptiert, als dass Menschen das dann einfach sagen würden, wenn es denn so ist. Und so bieten sie das romantische Ideal der Liebe an, wenn es eigentlich um Sexualität geht. Und schon beginnt der ganze Spaß mit einer bedeutsamen Unkorrektheit, um es nicht gleich Lüge zu nennen.

Leute, es ist nichts so entspannend und nachhaltig, wie die Wahrheit. Sagt eurem Gegenüber, was ihr wollt und bleibt sauber. Und außerdem: Nichts ist so sexy, wie ehrlich und authentisch zu sein.

 

Wenn das Frühlingslüftchen eine Flaute der Lustlosigkeit ist und die Leidenschaft ausbleibt

Manche Menschen haben aber keine Lust. Sexualität ist dann manchmal etwas, woüber sie nur in der Vergangenheitsform sprechen. Menschen sind unterschiedlich. Manche haben mehr Lust. Andere weniger. Manche leben ihre Sexualität sehr ausführlich und genießen sie. Andere haben weniger Zugang zu ihrer Sexualität und leben ihre Sinnlichkeit in anderen Lebensbereichen. Und dennoch ist es ein Teil des Menschseins, dass wir sexuelle Wesen sind und Sexualität Teil eines kompletten Lebens ist.

Wenn uns das abhandengekommen ist, kann es hilfreich sein, zu schauen, wo die Lust abgeblieben ist und was die oder der Betreffende tun kann, um ihr wieder einen Platz in seinem Leben zu geben. Manchmal ist es hilfreich, das in einem Coaching herauszufinden. Wenn in einer Partnerschaft einer mit Lust mit einem ohne Lust zusammenlebt, ist die Beziehung sehr herausgefordert. Dann stellt sich oft die Frage, wie die beiden mit dieser Situation umgehen sollen.

Oft landen sie dabei in der „Normalitätsfalle“und diskutieren darüber, welche und wie viel Sexualität normal ist, anstatt herauszufinden, was für sie selbst als Paar passt. Eines ist an diesem Punkt der Partnerschaft dabei ganz wichtig: Miteinander sprechen. Und zwar über die eigenen Bedürfnisse und nicht über die scheinbaren Defizite des jeweils anderen. Über die eigenen Wünsche und darüber, wie man an dieser Stelle zusammenkommen kann. Oder vielleicht auch nicht mehr zusammenkommen kann. Aber es braucht Klarheit. Und eine Ausrichtung. Hier kann auch eine Paarberatung hilfreich sein, wenn das Paar sich alleine nur noch im Kreis dreht.

Mit vitalen Kräften ist nicht zu spaßen. Die bahnen sich ihren Weg. Auf die eine oder andere Art und Weise: In Richtung Lust. In Richtung Aggression. Mit dem einen Menschen. Oder auch mit einem anderen.

 

Unsere Sexualität ist eine Herausforderung im Kern unseres Seins

Lust zu haben oder nicht. Sexualität zu leben oder nicht. In Partnerschaft zu leben oder nicht. Ein vom Ursprung her sexuelles Wesen zu sein ist eine Herausforderung. Nehmen wir sie an, kann das wunderschön und sehr erfüllend sein. Ignorieren wir sie, schaffen wir Schmerz, Leere und Leid für uns und andere. Das Leben will Leben. Es ist die Entscheidung jedes und jeder einzelnen, was er oder sie daraus macht.

 

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